Generation Europa – Mehr Chancen durch Mehrsprachigkeit in der Schulbildung

Europa wächst – und mit ihm die Anforderungen an sprachliche und interkulturelle Fertigkeiten. Damit aus dieser Chance kein Stolperstein wird, arbeitet Henny Rönneper, Ministerialrätin im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen an Konzepten zur Förderung multilingualer Kompetenzen in der Schulbildung. Die Referatsleiterin für Fremdsprachenunterricht und internationale Abschlüsse hat sich ein anwendungsorientiertes Kompetenzportfolio für Schüler im europäischen Handlungsumfeld auf die Fahnen geschrieben. Am Mittwoch, 23. April, hält sie auf der „Sprachen & Beruf“ einen Vortrag zum Thema „Fremdsprachenförderung für Beruf und Studium in der Schule“.

Fremdsprachen öffnen Türen in eine neue Welt - diese Aussage ist speziell im Prozess des europäischen Zusammenwachsens unbestrittene Realität und wird im Bildungslobbying bereits seit Jahren verfochten. Neu jedoch ist der Fokus auf den Plural der Mehrsprachigkeit. Henny Rönneper, Ministerialrätin im Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, ist sich der damit verbundenen Herausforderung für den schulischen Fremdsprachenunterricht bewusst: „Mehrsprachigkeit wird mehr und mehr zur Basiskompetenz für das Zusammenleben in Europa, unerlässlich damit unsere Jugendlichen in Zukunft in Europa die Chancen auch ausnutzen können.“ Der Paradigmenwechsel sei vor allem auch durch die Europäische Union, die Europäische Kommission und den Europarat massiv gefördert worden.

Im Ergebnis dieser Entwicklung steht eine umfassende Novellierung der Unterrichtspläne: Durch verstärkte Kompetenzorientierung des schulischen Fremdsprachenunterrichts wird der Blick nicht länger nur auf fachliche und sprachliche Inhalte, sondern auch auf den Erwerb konkreter kommunikativer Kompetenzen und deren Anwendung gelenkt.

Mehrsprachigkeit als Schlüsselkompetenz lebenslangen Lernens – der Grundstein für diesen Vorsatz wird in den neuen kompetenzorientierten Lehrplänen schon im Grundschulalter gelegt. Neben der verpflichtenden ersten Fremdsprache Englisch bieten fakultative Begegnungssprachen, zum Beispiel in europäischen Grenzgebieten, einen praktischen Anwendungsbezug. Aufbauend auf diesem gemeinsamen Fundament bietet sich zu Beginn der Orientierungsstufe eine Vielfalt an wählbaren Sprachen in einem neuen Lehrkonzept, das die praktische Anwendung der Fremdsprachen gezielt fokussiert und fördert.

Die Stärkung des Anwendungsbezugs im schulischen Fremdsprachenunterricht soll Schülerinnen und Schüler gezielt auf die Anforderungen, die Studium und Beruf an sie stellen werden, vorbereiten. Als „Quantenschritt“ bezeichnet Rönneper in diesem Zusammenhang die Systematisierung von fremdsprachlichen Kompetenzen in einem eigenständigen Lehrplan. Neben kommunikativen finden auch interkulturelle Kompetenzen ihren festen Platz im Curriculum der Schüler. „Interkulturelles Denken ist kein Exotikum mehr für einige Interessierte“, gibt die Bildungsbeauftragte nachdrücklich zu verstehen, „sondern muss in der Realität des wachsenden Europas Grundkompetenz für alle sein..“

Diese Anwendungsorientierung findet speziell an nordrhein-westfälischen Schulen auf drei Ebenen statt: Neben dem bilingualen Fachunterricht bringen internationale Fremdsprachenzertifikate sowie die Förderung praktischer Handlungskompetenz im europäischen Ausland zusätzliche Vorteile für die Fremdsprachenlerner mit sich.

Speziell die Idee, schon während der Schulzeit Zusatzqualifikationen in Form von Fremdsprachenzertifikaten zu erlangen, fand rasch Anklang. Mittlerweile nehmen im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen fast 20.000 Schüler jährlich diese Möglichkeit wahr. Begonnen hatte alles mit neun Gymnasiasten, die im Jahr 1997 als erste die französischsprachige DELF-Prüfung ablegten. „Das waren unsere Pioniere“, so Rönneper. „In diesem Jahr sind es schon 16.000 Kandidaten.“

Das Konzept der nachhaltigen Fremdsprachenförderung scheint also nach und nach aufzugehen. Vor allem die Feuerprobe auf internationalem Parkett, sei es in Schüleraustauschen, länderübergreifenden Projektarbeiten, Auslandspraktika oder internationalen Wettbewerben, erfährt große Begeisterung unter den Lernenden. „Das wirkt sich ausgesprochen positiv auf die Lernfreude aus. Unser Ziel ist, das alles immer wieder zurückzuführen, im Unterricht aufzufangen und einzubringen, und auch in die Leistungsbewertung mit aufzunehmen.“

Bereits im Rahmen der schulischen Bildung lassen sich so eindeutige Wettbewerbsvorteile für ehrgeizige Schüler herausarbeiten. Werden alle zusätzlichen Elemente des Sprachlernangebots von bilingualem Unterricht, über Sprachzertifikate bis hin zu internationaler Projektarbeit ausgeschöpft, so kann das Abitur mit dem europäischen Exzellenzlabel CertiLingua veredelt werden. Für die Bildungspolitikerin ist das Pilotprojekt ein weiteres wertvolles Instrument, „um Schulen nachhaltig auf diesen internationalen Weg zu bringen.“

Vor allem der Größe und Dynamik des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen sei es dabei zuzuschreiben, dass der Pool an guten Ideen zur zukünftigen Fremdsprachenförderung weiter wächst und die Akzeptanz in der Bevölkerung proportional zunimmt. „Und es gibt noch Potenzial!“, schließt Henny Rönneper ihre Ausführungen. „Besonders zukünftige Arbeitgeber können mit Impulsen positiv auf das Fremdsprachenlernen in der Schule einwirken.“


In ihrem Vortrag am Mittwoch, 23. April, in der Session Fremdsprachen in Schule und Berufsausbildung 14:30-16:00 Uhr informiert Henny Rönneper über den Perspektivwechsel des Fremdsprachenunterrichts vom grammatisch-sprachrichtigen zum kommunikativen Unterricht. Neben Erfolgs- und Erfahrungswerten kommen ebenso zukünftige Förderungsmöglichkeiten in der Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft zur Sprache.

Interviews & Beiträge
  • Henny Rönneper: Generation Europa – Mehr Chancen durch Mehrsprachigkeit in der Schulbildung mehr
  • Gerardo Müller-Albán: Die kulturellen Eigenheiten seines Gegenüber kennen und verstehen – Business Spanisch und Interkulturelles Training mehr
  • André Moeller: Sprachen lernen mit Podcasts mehr
  • Peter Mathews: “We have to raise a profile of the needs for languages in business” mehr
  • Lenka Bílá: Ein wichtiger Stein im Mosaik: Interkulturelles Training bei Volkswagen/Škoda mehr
  • Gabriele Eilert-Ebke: Transparent, konkret und messbar – Business Communication bei Henkel mehr
  • Prof Nigel Holden: Cross-cultural insights mehr
  • Weitere Interviews & Beiträge mehr