Fremdsprachen als Wirtschaftsfaktor in der Europäischen Union
Kristina Cunningham ist Schwedin und arbeitet in der Europäischen Kommission als Administratorin in der Abteilung Mehrsprachigkeitspolitik im Generaldirektorat Bildung und Kultur. Zuvor war sie zehn Jahre lang als Übersetzerin für die EU-Kommission tätig. Vorher arbeitete sie weitere zehn Jahre in Marketing und Vertrieb verschiedener Unternehmen in Belgien, Deutschland und Schweden. |
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Fragen an Kristina Cunningham, EU Kommission Sprachen & Beruf: Jedes Jahr entgehen tausenden europäischen Unternehmen Geschäfte und Verträge, weil sie nicht über die nötigen Fremdsprachenkenntnisse verfügen dies stellte kürzlich eine Untersuchung der EU-Kommission fest. Was bedeutet das für die Wirtschaft in der europäischen Union? Sind europäische Unternehmen nicht genügend für die Globalisierung gerüstet? Kristina Cunningham: In der Untersuchung wurde ein makroökonomisches Modell verwendet, um gerade diese Frage zu beantworten. Die Ergebnisse waren erschreckend, es handelt sich um Milliardenbeträge. Diese Zahlen müssen allerdings noch überprüft und validiert werden. Wir wissen noch nicht wie groß der Anteil am innereuropäischen Wettbewerb ist. Fest steht jedoch, dass europäische KMUs viel erfolgreicher auf den Weltmärkten agieren könnten. Hinzu kommt, dass nahezu 50 Prozent der untersuchten exportorientierten KMUs ihre Aktivitäten in den nächsten drei Jahren auf neue ausländische Märkte ausdehnen wollen. Folglich gehen sie davon aus, dass ihr Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen zunehmen wird, damit sie diese Pläne verwirklichen können. Allerdings ziehen sie es vor, sich - statt selber in Sprachkurse zu investieren - auf die nationalen Bildungs- und Ausbildungssysteme zu verlassen und darauf, dass diese Personal mit geeigneten Sprachkenntnissen zur Verfügung stellen. Oder aber sie suchen auf dem Arbeitsmarkt nach geografisch mobilen Menschen, die über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügen. Sprachen & Beruf: Wie kann dem Trend entgegengewirkt werden? Wie reagieren die Unternehmen selbst auf diese alarmierenden Ergebnisse? Kristina Cunningham: Wir müssen auf mehreren Ebenen wirken und in enger Zusammenarbeit mit nationalen und regionalen Behörden. Auch Handelskammern und regionale Förderstrukturen sind gefordert. Es geht in erster Linie um Sensibilisierung wir wollen ein Bewusstsein schaffen für die Situation. Erst danach können neue Strategien erarbeitet werden. Wer das Problem erkennt und wahrnimmt, kann anschließend die entsprechenden Maßnahmen erarbeiten. Sprachen & Beruf: Welche Konsequenzen haben die Ergebnisse für die Sprachenpolitik der Europäischen Kommission? Kristina Cunningham: Fremdsprachenkenntnisse sind schon definiert als eine der acht Schlüsselkompetenzen für Zuwachs und Beschäftigung der Zukunft. Vielsprachigkeit ist eine transversale Politik innerhalb der Kommission und für den Bereich Fremdsprachen für Unternehmenstätigkeit arbeiten mehrere Kommissionsabteilungen zusammen. Nicht nur Ausbildung und Kultur sondern auch Unternehmen und Industrie, Regionalpolitik, Binnenmarkt und Beschäftigung sind Bereiche, wo Sprachenkompetenzen der EU-Bürger als wichtig angesehen werden. Sprachen & Beruf: Wie kann die EU-Kommission die Wettbewerbsfähigkeit der EU-Wirtschaft unterstützen, sind konkrete Maßnahmen geplant? Kristina Cunningham: Zunächst richten wir in Brüssel am 21. September eine internationale Konferenz aus, auf der das Thema Sprachkenntnisse als Wettbewerbsvorteil für Europa erörtert wird. Noch in diesem Jahr wird auch ein Wirtschaftsforum für Mehrsprachigkeit ins Leben gerufen, mit dessen Hilfe Wege zur Förderung der Mehrsprachigkeit in Unternehmen gefunden werden sollen, damit diese leichter in neue Märkte eintreten können. Sprachkenntnisse können ebenso die Beschäftigungsaussichten und die Mobilität des Einzelnen erheblich verbessern. Daher soll sich das Wirtschaftsforum auch mit den diesbezüglichen Chancen und Möglichkeiten befassen. Sprachen & Beruf: Vielen Dank! |
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